«Als Kind wollte ich unbedingt Bauer werden. Ich entschied mich dann aber zunächst für Kriminologie. Erst 2020 packte mich die Leidenschaft erneut, und ich begann ein Masterstudium in Agronomie mit Schwerpunkt Boden- und Pflanzenkunde. Mein Traum war es, umweltgerechte Nahrungsmittel zu produzieren und konkret zur Förderung der Biodiversität beizutragen. In dieser Zeit rief ich zudem zusammen mit Gleichgesinnten den Verein Pan Terra ins Leben: Dieser bewirtschaftet bei Grolley im Kanton Freiburg etwa 8000 m2 Landwirtschaftsland und führt dort auch landwirtschaftliche Experimente durch.

Wer gärtnert, fördert die Biodiversität. Aber nicht nur das: Gärtnern macht Spass und bietet Gelegenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten – vor allem, wenn man sich gemeinsam um einen Garten kümmert. ©Ester
Wer gärtnert, fördert die Biodiversität. Aber nicht nur das: Gärtnern macht Spass und bietet Gelegenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten – vor allem, wenn man sich gemeinsam um einen Garten kümmert. ©Ester

Wir begannen, auf dieser Parzelle Beratung und Austausch zu landwirtschaftlichen Praktiken anzubieten. Damit wollten wir Personen erreichen, die sich zwar einen eigenen Garten wünschten, sich aber aus verschiedensten Gründen nicht trauten, etwa weil es ihnen an Zeit mangelte oder weil ihnen das Wissen fehlte.

Um solche Personen bei der Verwirklichung ihres Wunsches zu unterstützen, gründete ich zusammen mit drei Mitgliedern des Vereins – Morgane, Guillaume und Jonas – im vergangenen Frühling das Unternehmen ESTER. Über dieses entwerfe ich für meine Kundinnen und Kunden Gemüsegärten, Mikro-Waldgärten oder sogenannte essbare Gärten. Einige von ihnen unterstütze ich danach auch noch bei der Pflege ihres neuen Gartens. Zurzeit bin ich der einzige Angestellte des Betriebs, hoffe aber, dass die drei anderen bald dazustossen werden.

Sensibilisierung der Jugend

Nebst dem Anlegen und Pflegen der Gärten meiner Privatkundschaft arbeite ich auch im Auftrag der Freiburger Gemeinden. Insbesondere führe ich auf dem Gelände von Pan Terra Workshops für Schülerinnen und Schüler durch. Dabei gehen wir auf verschiedenste Themen ein, von der Landwirtschaft über Insekten und essbare Pflanzen bis hin zur Bodenbiologie und zum Gärtnern. Die Wissbegierde der Kinder beeindruckt mich immer wieder. Ich finde es enorm wichtig, dass sie Tätigkeiten im Freien durchführen können, denn dabei spüren sie unmittelbar, wie gross die Welt um sie herum doch ist.

Auf der 8000 m2 grossen Parzelle in Grolley (FR) führt Jérémy Pasquier Workshops für Schülerinnen und Schüler durch. Er zeigt ihnen Insekten und essbare Pflanzen und geht auf verschiedenste Fragen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft ein. ©Ester
Auf der 8000 m2 grossen Parzelle in Grolley (FR) führt Jérémy Pasquier Workshops für Schülerinnen und Schüler durch. Er zeigt ihnen Insekten und essbare Pflanzen und geht auf verschiedenste Fragen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft ein. ©Ester

Ich hoffe, dass diese Erlebnisse sie später dazu anspornen, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. Und ich würde den Lehrerinnen und Lehrern gerne anbieten, sie nach einem solchen Workshop beim Anlegen eines Gartens auf dem Schulareal zu unterstützen.

Autonom werden

Gärtnern tut gut, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Es ist vor allem auch eine Art Spiel, bei dem man Neues ausprobieren und beobachten kann, was daraus wird. Dabei lernt man, die biologische Vielfalt zu schätzen und zu schützen. Für viele Menschen ist Gärtnern zudem eine hervorragende Möglichkeit, den Kopf auszulüften. Und wer gemeinsam mit anderen einen Garten pflegt, kann neue Beziehungen knüpfen und so der Einsamkeit vorbeugen. Wir von ESTER möchten den Leuten auch dabei helfen, zumindest zeitweise ihre Sorgen zu vergessen.

©Ester

Drei Gartenpflegetipps von Jérémy Pasquier

1.    Ein gesunder Boden ist eine Grundvoraussetzung für einen gesunden Garten. Es braucht möglichst viele lebende Wurzeln von hochwachsenden Pflanzen (z. B. Mais oder Sonnenblumen), denn diese fördern die Bodengesundheit.

2.    Wer gärtnert, hat zahlreiche Widersacher, etwa Schnecken. Vor einer Schneckeninvasion kann man sich schützen, indem man im Frühling Senf aussät. Schnecken lieben Senf und werden dadurch abgelenkt.

3.    Unkraut muss weg. Das ist an sich nichts Neues, aber wenn man nicht gründlich genug jätet, nimmt Unkraut schnell überhand. Gerade als Neuling in Sachen Gärtnern sollte man keine Angst haben, der Garten könnte «zu geputzt» wirken.

Ein weiteres Anliegen des Projekts ist die Stärkung der Ernährungssicherheit. Mehr Ernährungssicherheit weltweit kann Nahrungsmittelknappheit vorbeugen. Ich finde es wichtig, dass wir uns mit möglichen Lösungen beschäftigen. Da ich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu einer möglichst gesunden und unabhängigen Nahrungsmittelproduktion beitragen möchte, habe ich mir als Ziel gesetzt, nur von Hand zu arbeiten und auf den Einsatz von Maschinen und Pestiziden zu verzichten.»