Breidlers Sternlebermoos ist zwar weniger bekannt als seine entfernte Verwandte, das berühmte Edelweiss, aber genauso faszinierend. Die kleine Art kommt nur im Alpenraum der Schweiz, Österreichs, Italiens und Frankreichs vor und gilt damit als sogenannter Alpenendemit. Sie gedeiht in einem sehr spezifischen Lebensraum, nämlich auf offenen Böden von Tümpeln aus Gletscher- oder Schneeschmelzwasser. Obwohl Riccia breidleri keine Wasserpflanze ist, kann das Moosgewächs unter Wasser problemlos überleben. Doch für den Erhalt der Populationen «müssen diese Tümpel im Sommer unbedingt fast vollständig austrocknen», erklärt Heike Hofmann, Expertin beim nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Moose, Swissbryophytes. Diese Arten besitzen kein Gefässsystem; das heisst, sie haben keine Wurzeln, Stängel oder Leitbündel, die den Pflanzensaft transportieren.
Breidlers Sternlebermoos gedeiht besonders gut auf über 2000 Metern Höhe auf sandigen Böden, die im Frühsommer noch ausreichend nass sind, um das Wachstum anderer Pflanzen zu verhindern, dann aber während mehrerer Monate ganz oder teilweise austrocknen, sodass sich die Spezies auf den offenen, feuchten Böden entwickeln kann. Dieser sanfte Wechsel hilft Breidlers Sternlebermoos zwar, sich gegenüber anderen Arten zu behaupten, begünstigt aber das langfristige Überleben nicht. Die Pflanze steht deshalb in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten Moose, wie die Expertin erläutert.
Heike Hofmann führt aus: «Nur wenige Tümpel bieten dieses spezielle Gleichgewicht, und die bisher geeigneten sind zunehmend gefährdet.» Der Klimawandel mit weniger Niederschlägen und Schnee im Winter sowie steigenden Temperaturen im Sommer trägt dazu bei, dass dieser Lebensraum immer seltener wird. Das Überleben von Riccia breidleri ist auch durch bauliche Eingriffe gefährdet, wie zum Beispiel das Anlegen von Skipisten, Planierungen oder Wasserfassungen für Speicher und durch Schneekanonen – all dies verändert das Wasserregime. «Das Verschwinden der Moose bleibt leider fast unbemerkt», bedauert die Fachfrau.
Woher kommt der Name «Lebermoos»?
Die ersten von Botanikerinnen und Botanikern entdeckten und beschriebenen Lebermoose waren thallöse, das heisst blatt- und stängellose Spezies. Die Forschenden sahen in diesen Pflanzenkörpern eine gewisse Ähnlichkeit mit den Leberlappen und tauften diesen Typus der Bryophyten daher «Lebermoose». «Viele Lebermoose sehen jedoch überhaupt nicht aus wie eine Leber. Und bei den meisten braucht es ein wenig Fantasie, um die Ähnlichkeit zu erkennen», bemerkt Heike Hofmann.
Alpenendemit
Riccia breidleri ist stängel- und blattlos, hat aber einen sogenannten Thallus mit violetter Unterseite, in dem Sporen gebildet und im Spätsommer freigesetzt werden. Bei ungünstigen Bedingungen kann Breidlers Sternlebermoos nicht einfach wegziehen. Erstens werden die relativ grossen Sporen nicht vom Wind verbreitet. Zweitens schwindet der sehr spezifische Lebensraum der Pflanze zusehends, wie Schnee an der Sonne. «Der neue Tümpel müsste sehr nahe beim alten liegen oder ein Tier müsste die Sporen an einen geeigneten Ort transportieren. Das ist nicht unmöglich, aber am besten wäre es, die bestehenden Standorte zu erhalten», erklärt Heike Hofmann.
Riccia breidleri gehört zu den wenigen Moosen, die bisher ausschliesslich in den Alpen gefunden wurden. Das kleine Lebermoos kann den Winter in Form von Sporen überdauern oder sich aus nahezu abgestorbenen Thalli regenerieren. In Italien und Österreich wird es auf der Roten Liste als selten eingestuft. Zudem steht es als gefährdete Art auf der europäischen Roten Liste.
