Praktische Infos

Der Weg ist ganzjährig begehbar. Mit dem Bus 74 (Haltestelle «Malval, Centre Nature»), der zwischen La Plaine und Russin verkehrt, gelangen Sie zum Infozentrum Centre Nature du Vallon de l’Allondon. Bleiben Sie während der Wanderung auf den markierten Wegen, um die sensiblen Lebensräume nicht zu stören. Zum Schutz der heimischen Lebewesen ist die Roulave-Schlucht, die in derselben Gegend liegt, für Wandernde sogar ganz gesperrt. An den Ufern des Allondon ist es ausserdem empfohlen, auf den Kieselstränden zu bleiben. So treten Sie nicht auf die Ufervegetation.

  • Schwierigkeit

    Leicht

  • Dauer

    1 Stunde 45 Minuten

  • Länge

    6,7 km

  • Höhenunterschied

    150m

Beim Verlassen des Genfersee fliesst die Rhone, eingezwängt zwischen betonierten Ufern, an Verkehrsachsen und Gebäuden vorbei. Doch schon bald, ab der Seujet-Brücke, schlängelt sich der Fluss durch Waldgebiete, die ab und an von Wohnquartieren oder Industriegebieten unterbrochen werden (siehe Kasten). Nach dem Staudamm von Verbois verändert sich das Erscheinungsbild der Rhone: Ihr Lauf wird breiter und die Ufer kommen zunehmend wilder daher.

Die Rhone wird von mehreren Nebenflüssen gespiesen. Einen Besuch wert ist vor allem der Allondon, der etwa einen Kilometer vom Staudamm flussabwärts liegt. Wer seinen ganzen Reichtum entdecken will, kann als Ausgangspunkt zur Wanderung das Centre Nature du Vallon de l’Allondon wählen, das von Pro Natura Genf betrieben wird. Das Infozentrum bietet zahlreiche Aktivitäten an und versorgt Wandernde mit allen wichtigen Informationen.

Vielfältige, einzigartige Landschaft

Das Vallon de l’Allondon ist eine wertvolle Landschaft und als solche im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt. «Es gilt als das Naturjuwel des Kantons Genf», sagt Pauline Verdan-Chabray, Mitarbeiterin des Infozentrums. «Der Allondon ist einer der letzten Flüsse im Kanton, die kaum kanalisiert sind. Er hat Platz, um bei Hochwasser über die Ufer zu treten und um sich neue Wege zu bahnen. Er präsentiert sich Jahr für Jahr anders.»

Das heutige Erscheinungsbild des Tals entstand während der letzten Eiszeit. Die für die Gegend typischen Kieselstrände bestehen aus glazialen und fluvioglazialen Ablagerungen, die erodiert, verschoben und umgelagert wurden. Darüber hinaus ist das Vallon de l’Allondon für sein Schwemmgold bekannt: Die Erosion hat vom Rhonegletscher abgelagerte goldhaltige Sedimente freigesetzt.

Der Allondon ist nicht kanalisiert – eine Seltenheit bei Flüssen im Kanton Genf. So hat er Platz, um über die Ufer zu treten, und die Landschaft jedes Jahr neu zu formen. ©Stéphanie de Roguin
Der Allondon ist nicht kanalisiert – eine Seltenheit bei Flüssen im Kanton Genf. So hat er Platz, um über die Ufer zu treten, und die Landschaft jedes Jahr neu zu formen. ©Stéphanie de Roguin

Die besonderen Merkmale des Flusses lassen sich vor allem ab der Brücke Pont des Baillets in der sogenannten Pionierzone beobachten: Die Verwerfung von Cruseilles richtet den Fluss nach Süden aus, wodurch dieser vor starken Winden geschützt ist. Dadurch entwickelte sich dort ein mediterranes Mikroklima, das dem Gebiet seinen Spitznamen «die kleine Genfer Provence» verleiht. Trockenwiesen prägen das Landschaftsbild.

Die Flora, die im Tal gedeiht, ist zwar selten geworden, im Vallon de l’Allondon jedoch nach wie vor präsent. So zum Beispiel wilde Orchideen – davon gibt es rund 20 Arten, darunter die sehr seltene Hohe Hummel-Ragwurz – und andere Pflanzen wie die Raue Gänsekresse. Neben den Trockenwiesen finden sich auch grosse, wilde Wälder im Gebiet. All dies verleiht dieser Region ihren besonderen Charakter.

Auch als wichtiges Amphibienlaichgebiet ist das Vallon de l’Allondon bekannt. Diese Lebensräume, die für das Überleben der Arten unverzichtbar sind, werden immer seltener. ©Stéphanie de Roguin
Auch als wichtiges Amphibienlaichgebiet ist das Vallon de l’Allondon bekannt. Diese Lebensräume, die für das Überleben der Arten unverzichtbar sind, werden immer seltener. ©Stéphanie de Roguin
Die Pionierzone beginnt nach der Brücke Pont des Baillets. Dort richtet die Verwerfung von Cruseilles den Fluss nach Süden aus, wodurch dieser vor starken Winden geschützt ist. ©Stéphanie de Roguin
Die Pionierzone beginnt nach der Brücke Pont des Baillets. Dort richtet die Verwerfung von Cruseilles den Fluss nach Süden aus, wodurch dieser vor starken Winden geschützt ist. ©Stéphanie de Roguin

In der Schweiz äusserst seltene Arten

Wenn Sie dem Allondon entlangwandern, entdecken Sie mit etwas Glück eine Smaragdeidechse, die grösste Eidechsenart hierzulande. Sie kommt in Neongrün daher. Auch die Vipernatter ist im Tal gut vertreten, während sie in der Schweiz insgesamt immer seltener wird. Und wer sich für Vögel interessiert, kommt ebenfalls auf seine Kosten: Wasseramseln und Eisvögel lassen sich relativ leicht beobachten. Sie sind zudem ausgezeichnete Bioindikatoren für die Qualität des Flusses, da sie sich von Larven von Wasserinsekten beziehungsweise von Fischen aus dem Fluss ernähren.

Das Vallon de l’Allondon ist eines von 23 Genfer Amphibienlaichgebieten von nationaler Bedeutung. Im Wald heimische Frösche wie der Grasfrosch oder der Springfrosch und Erdkröten tummeln sich hier, obwohl die Strasse durchs Tal für sie recht oft zur tödlichen Falle wird, besonders bei Regen. Auch der Feuersalamander findet im Vallon de l’Allondon gute Bedingungen vor: Das Tal ist einer der letzten drei Lebensräume im Kanton, in denen die Population noch überlebensfähig ist.

Das Roulave-Tal: Zeuge der geologischen Geschichte

Wer die Region noch weiter entdecken will, kann dem Roulave, einem Nebenfluss des Allondon, entlangwandern. Gleich zu Beginn des Weges bieten die direkt über dem Wasserlauf liegenden Weiden einen ungewöhnlichen Anblick. «Sie werden fast jedes Jahr vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen und sogar ausgerissen», erklärt Pauline Verdan-Chabray. «Aber sie sind sehr gut an diese schwierigen Bedingungen angepasst und können wieder nachwachsen, weil sie Ableger bilden. Ihre kräftigen Wurzeln krallen sich in die Flussufer und verhindern so die Erosion.» Biber schätzen diese Lebensräume übrigens sehr.

Die Erkundung der Region kann entlang des Roulave, eines Nebenflusses des Allondon, fortgesetzt werden. ©Stéphanie de Roguin
Die Erkundung der Region kann entlang des Roulave, eines Nebenflusses des Allondon, fortgesetzt werden. ©Stéphanie de Roguin

Im Roulave-Tal zeigt sich zudem die ganze geologische Geschichte des Genfer Beckens, denn hier sind noch Spuren von drei Formationen unterschiedlichen Alters und Ursprungs zu sehen, die bei der Entstehung des Genfer Untergrunds eine Rolle gespielt haben: roter Sandstein, alte Flussablagerungen und Moränen aus der letzten Eiszeit. Entlang des Weges durch die Schlucht gibt es auch einige Höhlen zu entdecken, die das Wasser in den Sandstein gegraben hat.

Der Weg zum Roulave-Tal führt vorbei an Feldern, mit einem schönen Weitblick auf den Weiler Essertines, und durch Malval, wo es zahlreiche Weingüter gibt. Auch der Blick auf den nahe gelegenen Jura weiss zu beeindrucken.