Den Rosenroten Saftling erkennt man an seinem wachsartigen und klebrigen rosa Hut. Anfangs ist er spitz kegelförmig, später biegt sich der Rand allmählich auf, bis er rissig wird und sich nach oben stülpt. So verwandelt sich der Hut in eine Art Tutu, unter dem rosarote bis weissliche Lamellen sichtbar werden. Kein Wunder also, dass der Pilz im Englischen Namen trägt, die entweder auf einen Wachshut oder auf eine Ballerina anspielen. «Diese Merkmale zusammen mit seiner typischen rosa Farbe sind so einzigartig, dass kaum Verwechslungsgefahr besteht», sagt Andrin Gross, Experte bei SwissFungi, dem Daten- und Informationszentrum der Schweizer Pilze, das der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) angegliedert ist. 

Verwechseln könnte man ihn allerdings nur, wenn man ihn überhaupt zu Gesicht bekommt – und das ist gar nicht mal so einfach. Da der Lebensraum von Porpolomopsis calyptriformis zunehmend verloren geht, wird dieser Pilz immer seltener. Deshalb gilt er weltweit als gefährdete Art. In der Schweiz steht er auf der Roten Liste der gefährdeten Arten – zusammen mit mehr als 900 weiteren Pilzarten, die laut dem Experten insbesondere unter der Intensivierung der Landwirtschaft oder dem Mangel an Totholz und alten Bäumen in den Wäldern leiden. 

Dieser Pilz wird immer seltener, da sein Lebensraum zunehmend verloren geht. © Steven Morris, Alamy
Dieser Pilz wird immer seltener, da sein Lebensraum zunehmend verloren geht. © Steven Morris, Alamy
Der Rosenrote Saftling bevorzugt natürliche oder naturnahe Weiden. © Peter Martin Rhind, Alamy
Der Rosenrote Saftling bevorzugt natürliche oder naturnahe Weiden. © Peter Martin Rhind, Alamy

Nährstoffarme Böden 

Der Rosenrote Saftling bevorzugt natürliche oder naturnahe, nährstoffarme Weiden. Kühe oder Schafe stören ihn nicht, solange der Boden nicht mit Gülle oder chemischem Dünger angereichert wird. «Durch intensive Landwirtschaft verschwindet er jedoch rasch und kehrt in der Regel auch dann nicht zurück, wenn die Bewirtschaftung später wieder extensiver wird», erklärt Andrin Gross.  

Man findet den Rosenroten Saftling häufig zusammen mit Borstgras und Wiesen-Kammgras und zwar vor allem in den Voralpen, auf der Alpennordseite und im Jura. Im Wallis und im Tessin komme die Art nicht vor; im Mittelland sei sie sehr selten oder gar nicht anzutreffen, so Andrin Gross. Um den Pilz zu erhalten, empfiehlt der Experte, bekannte Vorkommen gezielt zu schützen. «Oft handelt es sich um Gebiete, die aus botanischer Sicht wenig interessant sind und deshalb bisher nicht durch andere Instrumente unter Schutz gestellt sind. Vor diesem Hintergrund möchte der Kanton Bern mit Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern Naturschutzverträge abschliessen», erläutert er. Zudem arbeitet der Kanton Bern an einem Aktionsplan zur Wiederansiedlung des Rosenroten Saftlings im Mittelland, wo neue geeignete Standorte geschaffen werden könnten – etwa in entsprechend gestalteten Grünflächen. Andrin Gross freut sich: «Das ist ein wichtiger Meilenstein: Es ist der erste Aktionsplan in der Schweiz zum Schutz einer Pilzart.»