Wer ist die Asiatische Hornisse?
Die Gelbbeinige Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) stammt ursprünglich aus Südostasien. Um die Jahrtausendwende gelangte sie vermutlich in einem Container aus China nach Südfrankreich. Von dort aus hat sie sich seit ihrer ersten Sichtung rasant in Europa ausgebreitet. Auf den ersten Blick wirkt sie wie unsere heimische Hornisse, ist jedoch etwas kleiner und dunkler gefärbt. Typisch sind ein fast schwarzer Rumpf, ein orangegelbes Gesicht und leuchtend gelbe Beine – daher auch der englische Name „yellow-legged hornet“.
Die Asiatische Hornisse baut zwei verschiedene Nesttypen: ein kleines Primärnest im Frühling, das sich meist in geschützten, bodennahen Bereichen wie Schuppen oder Hecken befindet und ein grosses Sekundärnest ab Sommer, das sich oft hoch oben in Baumkronen oder an Gebäuden befindet. Die Sekundärnester sind im Laub versteckt und meistens schwer zu entdecken. Sie können bis zu 1 Meter gross werden und mehrere tausend Individuen beherbergen.

Welche Probleme schafft sie?
Für den Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht gefährlicher als eine Wespe oder unsere heimische Hornisse. Sie verteidigt ihr Nest, greift aber nicht aktiv an. Trotzdem ist beispielsweise beim Heckenschneiden Vorsicht geboten. Vor Arbeitsbeginn sollte geprüft werden, ob sich im Arbeitsbereich Nester befinden - gegen Ende Juni nimmt das Risiko eines Aufeinandertreffens deutlich ab. Das eigentliche Problem liegt in Ernährung und ihrer schnellen Verbreitung. Die Asiatische Hornisse jagt gezielt Honigbienen vor dem Flugloch eines Bienenstocks. Das setzt das Bienenvolk unter Stress und es sammelt weniger Nektar und Pollen. Durch den Futtermangel und die geschwächte Pflege der Brut können Bienenvölker zusätzlich geschwächt werden.
Die Asiatische Hornisse jagt aber nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen und andere Bestäuber. Somit gefährdet die Asiatische Hornisse nicht nur die Imkerei, sondern auch zahlreiche andere Insektenarten und ist ein Risiko für die Artenvielfalt. Ihre Ausbreitung beeinträchtigt womöglich die Bestäubung von Obstbäumen, Nutzpflanzen und Wildblumen – alles wichtige Pfeiler unseres Nahrungs- und Ökosystems.
Wie verbreitet sie sich in Europa und der Schweiz?
Die Asiatische Hornisse wurde 2004 erstmals in Frankreich nachgewiesen. Seither breitet sie sich jedes Jahr um etwa 60-80 Kilometer aus. Von Frankreich aus erreichte sie zunächst Spanien, Italien, Belgien und Deutschland. Innerhalb eines Sommers kann eine Hornissenkönigin ein Volk gründen, sich im Herbst paaren und im Frühjahr erneut ein Nest aufbauen. Ein Nest bringt bis zu 600 Jungköniginnen hervor.
In der Schweiz wurde die Asiatische Hornisse 2017 im Jura zum ersten Mal entdeckt. Nach 2020 stiegen die Sichtungen und Nestfunde und es wurde eine nationale Task-Force eingerichtet. In den letzten Jahren wurde eine starke Ausbreitung gegen Nordosten hin dokumentiert.

Quelle infofauna: Verbreitung - Vespa velutina nigrithorax - Atlas der Schweizer Fauna
Heute sind drei Viertel der Kantone betroffen – im Westen deutlich mehr als im Osten oder im Süden. Es ist davon auszugehen, dass sich die Asiatische Hornisse in den nächsten Jahren in der ganzen Schweiz ausbreiten wird, mit Ausnahme der Gebirgsregionen.
Hat die Asiatische Hornisse natürliche Feinde?
Bislang sind in der Schweiz keine natürlichen Feinde bekannt, die die Asiatische Hornisse wirksam in Schach halten könnten. Nur wenige spezialisierte Vogelarten fangen und fressen Hornissen. Andere Insekten wie die heimische Hornisse, Wespen oder Raubfliegen können einzelne Arbeiterinnen ergreifen, wenn sich Gelegenheit bietet. Auch Spinnen fangen manchmal Hornissen in ihren Netzen. Diese Beute bleibt jedoch Zufall und beeinflusst die Zahl der Hornissen kaum. Die einheimischen Honigbienen haben bislang keine wirksamen Verteidigungsstrategien entwickelt.
In Asien gibt es mehrere Widersacher, die die Population der Asiatischen Hornisse regulieren. Sie wird beispielsweise von bestimmten Parasiten und Viren befallen. Ausserdem haben dort heimische Honigbienen eine effektive Verteidigungsstrategie gegen die Asiatische Hornisse entwickelt: Mehrere Bienen umzingeln die Hornisse und bilden eine dichte Kugel um sie. Durch Muskelzittern erzeugen sie Hitze (bis zu 46 °C) und erhöhen gleichzeitig den CO₂-Gehalt, wodurch die Hornisse überhitzt und erstickt.
Wie wird sie bekämpft?
Eine Ausrottung der Asiatischen Hornisse gilt heute als unrealistisch – die Art ist zu weit verbreitet und sehr anpassungsfähig. Dennoch sind Bekämpfungsmassnahmen entscheidend, um die Ausbreitung zu bremsen und Bienenvölker und Wildbienen zu schützen. Zentral ist das frühzeitige Handeln: Werden Nester vor dem Herbst gefunden, können sie zerstört werden, bevor neue Königinnen schlüpfen und weiterziehen. Um die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse einzudämmen, setzen Bund, Kantone und Fachorganisationen auf ein abgestuftes Vorgehen:


Früherkennung und Monitoring
Verdächtige Tiere oder Nester werden über die nationale Plattform https://www.asiatischehornisse.ch/ gemeldet. Fachleute prüfen jede Meldung und leiten bei Bedarf die Nestsuche ein. Ergänzend kommen im Frühjahr künstliche Nistplätze zum Einsatz, die gezielt Jungköniginnen anlocken, um die Gründung neuer Völker zu verhindern.
Aufspüren der Nester
Sobald Arbeiterinnen beobachtet werden, folgt die gezielte Lokalisierung des Nestes. Teams nutzen Triangulation, indem sie Flugrichtungen der Tiere von mehreren Standorten aus anpeilen. Bei unübersichtlichem Gelände werden Drohnen mit Wärmebildkameras oder winzige Funksender eingesetzt, um Hornissen zum Nest zurückzuverfolgen.


Meldet man Ihnen die Beobachtungen oder fliegen Sie auf eigene Faust los?
Es sind meistens Imker, die mir ihre Beobachtungen von Asiatischen Hornissen mitteilen. Somit kann der Suchbereich von Anfang an stark eingeschränkt, da nicht ganze Wälder abgeflogen werden müssen. Derzeit stehe ich mit der Koordinationsstelle des landwirtschaftlichen Ausbildungs- Beratungszentrums Inforama in Zollikofen (BE) in Kontakt, bei der Imker ihre Beobachtungen oder Nestfunde melden. Kann der Standort des Nests nicht eruiert werden, kommen Drohnen zum Einsatz.Die anschliessende Vernichtung der Nester führt aber ein Spezialist durch.
Die Koordinaten eines Nests werden der Koordinationsstelle Inforama gemeldet. Für die Vernichtung braucht es geeignete Ausrüstung, deshalb führen sie Spezialisten durch. Ein existieren dickere Imkerschutzanzüge für einen besseren Schutz vor dem Stachel der Asiatischen Hornisse.
Die Drohne erkennt die Nester aufgrund von Wärmebildern. Sind solche Flüge auch im Sommer möglich?
Meine Drohne verfügt über die neuste Wärmebildtechnologie und macht eine Suche auch bei Tag möglich. Die Suche ist einfacher, wenn der Temperaturunterschied zwischen der Luft und dem Nest möglichst gross ist. Deshalb ziehe ich für die Flüge an warmen Tagen die Morgen- oder Abendstunden vor. Unabhängig von der Aussentemperatur: Oft schirmen Äste und Laub die Nester ab, was die Suche erschwert.Sven Jutzi ist Imker in Riggisberg (BE) und Drohnenpilot. Mit der Drohne spürt er im hohen Gras Rehkitze auf und sucht in den Baumkronen nach Nestern der Asiatischen Hornisse.

Fachgerechte Nestentfernung
Ziel ist es, die Königin sowie die Jungköniginnen so früh wie möglich zu vernichten - bevor sie im Herbst ausfliegen und sich paaren. Gelingt die rechtzeitige Zerstörung des Nestes, wird nicht nur die gesamte Kolonie beseitigt, sondern auch die Gründung neuer Völker im Folgejahr reduziert – ein entscheidender Schritt, um die weitere Ausbreitung wirksam zu bremsen.

Eine mechanische Entfernung oder physikalische Behandlung z.B. mit Saugen oder Kälte wird wo immer möglich bevorzugt. Ist dies nicht umsetzbar, dürfen Fachkräfte zugelassene Biozide einsetzen, um das Nest fachgerecht zu bekämpfen. Der Einsatz von Insektiziden ist streng geregelt und seit Oktober 2025 unter bestimmten Bedingungen auch in Waldgebieten erlaubt.
Müssen wir uns auf die Ankunft weiterer solcher Arten einstellen in der Schweiz?
Die Asiatische Hornisse ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom einer grösseren Entwicklung. Durch den globalen Handel gelangen immer mehr gebietsfremde Arten nach Europa – oft unbemerkt in Containern, Holzpaletten oder Topfpflanzen. Schon heute bereiten etwa die Marmorierte Baumwanze, der Asiatische Laubholzbockkäfer oder auch der Japankäfer Probleme in der Schweiz.
Was tun, wenn man einer Asiatischen Hornisse begegnet oder ein Nest findet?
Für Privatpersonen gilt: Nicht selbst eingreifen. Nester können mehrere Tausend Tiere enthalten und liegen oft in grosser Höhe – das Entfernen ist gefährlich. Wer eine Asiatische Hornisse sieht oder ein verdächtiges Nest entdeckt, sollte:
1. Beobachten und dokumentieren – aus sicherer Entfernung ein Foto machen.
2. Melden – auf der Plattform https://www.asiatischehornisse.ch/. Dies löst eine Meldung an die zuständige Person in der betroffenen Region aus.
3. Distanz wahren – mindestens fünf bis zehn Meter Abstand halten, nicht an Nestern rütteln oder versuchen Tiere zu vertreiben.
Jede Meldung hilft Fachleuten, Nester schneller aufzuspüren und zu beseitigen. Diese Arbeiten werden in vielen Fällen von Freiwilligen in ehrenamtlichem Engagement erbracht. Menschen, die sich oft auf eigene Kosten für die Bekämpfung einsetzen.
Diese Beispiele zeigen, wie wichtig frühe Erkennung, konsequente Meldesysteme und internationale Zusammenarbeit sind. Je schneller neue Arten entdeckt werden, desto grösser ist die Chance, ihre Ausbreitung einzudämmen. Die Asiatische Hornisse erinnert uns daran, dass wir wachsamer mit dem globalen Warenverkehr umgehen und natürliche Lebensräume stärken müssen, um einheimische Arten zu schützen. Die Imkerei muss sich an die neuen Herausforderungen anpassen. Durch wirksame Schutzmassnahmen für die Bienenstöcke kann sie ihre zentrale Rolle für die Landwirtschaft auch künftig erfüllen.
