Die Aufwertungsprojekte der Birspark Landschaft
Mit dem Aktionsplan Birspark Landschaft leisten die beteiligten Gemeinden Pionierarbeit: Sie arbeiten zusammen und fördern Natur- und Erholungsräume entlang der Birs.
Aufwertung ermöglicht Vernetzung
In der Birspark Landschaft befinden sich wertvolle Flächen wie die national geschützten Trockenwiesenflächen der Reinacherheide, die bisher nicht geschützte Auenlandschaft bei Münchenstein sowie Waldreservate und Wildruhezonen.
Diese und weitere Aufwertungen zugunsten der Natur sind wichtig für das Netzwerk, sie dienen Tieren und Pflanzen im Wasser und an Land.
Die Verbindung der beiden Flussufer ist wichtig, weil die Verkehrsinfrastruktur die Landschaft trennt. Der Aktionsplan ermöglicht eine Wiederbesiedlung der Naturflächen auf beiden Seiten der Birs. Für diese «Landschaftsreparatur» haben die Gemeinden des Vereins Birsstadt 2024 den Wakkerpreis erhalten.
Ihre Meinung interessiert uns
Die Erfolgsfaktoren
Gemeinden können situativ entscheiden, ob sie sich an einem Projekt beteiligen möchten und sind damit flexibel.
Gleichzeitig schafft die interkommunale Zusammenarbeit Synergien und spart Ressourcen.
Zwei Zielsetzungen greifen ineinander: gut erschlossene Erholungsräume und der Schutz der vielfältigen Lebensräume entlang der Birs.
Ein Aktionsplan umreisst klare Ziele und mögliche Massnahmen.
Frühe Erfolge, zum Beispiel die Auszeichnung als «Landschaft des Jahres», setzte eine politische Dynamik in Gang.
Quartier- und Arealentwicklungen werden mit Landschafts- und Naturschutzanliegen verknüpft, auch in Bezug auf die Finanzierung.
Die Organisation als Verein sowie die Tatsache, dass die jährlichen Budgets auf Gemeindeebene unumstritten sind, gewährleisten Stabilität.


Die Birspark Landschaft ist in die frühere Auenlandschaft eingebettet, bestimmender Faktor ist das Wasser. Gleichzeitig ist die Gegend heute auch von der Siedlungslandschaft geprägt. Die Birspark Landschaft verbindet diese beiden Aspekte unter einem strategischen Dach.
Seit 2016 werden die Massnahmen des Aktionsplans schrittweise umgesetzt. Das hat bereits einen spürbaren Effekt auf den Natur- und Landschaftsschutz sowie auf die Erholungsnutzung. Mit den noch geplanten Projekten wird die Vision für den Birsraum auch in Zukunft weiterverfolgt.


Landschaftspreis des Europarates
Der Europarat verleiht alle zwei Jahre einen Landschaftspreis und würdigt damit eine Initiative zum Schutz, zur Pflege und/oder zur nachhaltigen Gestaltung der Landschaft. Jedes Land, das der Landschaftskonvention des Europarates beigetreten ist, wählt einen nationalen Kandidaten aus. Für die Ausgabe 2025/26 hat die Schweiz das Projekt «Birspark Landschaft» eingereicht. Am Projekt beteiligt sind zehn Gemeinden, sie fördern die Entwicklung von Natur- und Erholungsräumen im Grossraum Basel entlang der Birs. Das vorliegende Projekt ist vorbildlich für die Förderung der Biodiversität und der Landschaftsqualität in Agglomerationen. 2019 wurde die Renaturierung des Flüsschens Aire im Kanton Genf mit dem Europäischen Landschaftspreis ausgezeichnet.
Die Birspark-Landschaft sei ein visionäres Projekt, ist Jeanne Locher-Polier, Präsidentin des Vereins Birsstadt, überzeugt. Als grosse Ehre bezeichnet sie die Kandidatur für den europäischen Landschaftspreis.
Was bedeutet Ihnen die Kandidatur zum Landschaftspreis des Europarats?
Jeanne Locher-Polier: Dem Verein Birsstadt und der Arbeitsgruppe Birspark Landschaft kommt die grosse Ehre zuteil, von der Schweizer Jury als Kandidat für den Europäischen Landschaftspreis ausgewählt worden zu sein. Dies ist eine grosse Wertschätzung der politischen und fachlichen Arbeit des Vereins.
«Gemeinsam kann man Veränderungen erwirken»
Was erhoffen Sie sich von dieser Kandidatur?
Bis unlängst war der Name «Birsstadt» in unserer Region ein eher abstrakter Begriff. Durch Auszeichnungen und einer öffentlichen Präsenz profitiert der Verein insofern, dass sich die Bewohnenden der Birsstadt heute mit dem Begriff identifizieren können. Die Auswahl für die Kandidatur würdigt die Entwicklungen des Landschaftsraumes im Bereich Natur und Erholung.
Schon 2024 wurde der Verein Birsstadt mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet. Welches sind die besonderen Merkmale der Birspark Landschaft?
Die Birspark Landschaft ist ein visionäres Projekt, welches mit einem gemeinsamen Aktionsplan von den beteiligten Birsstadt-Gemeinden entwickelt worden ist. Die Leuchtturmprojekte und gemeinsamen Massnahmen werden nach und nach umgesetzt und weiterentwickelt. Heute sind diese Projekte für Natur und Erholung in der Landschaft sowohl sichtbar als auch erlebbar. Dies zeugt von grossem Engagement der Projektverantwortlichen und der politischen Vertretung. Gemeinsam kann man vielleicht keine Berge versetzen, jedoch wichtige landschaftliche Verbesserungen erwirken.
Das Modellvorhaben «Freiraumkonzept Birsstadt» der Kantone Solothurn und Basel-Landschaft definiert den Birspark als grünes Rückgrat des Landschaftsraumes.
Wahl zur Landschaft des Jahres durch die Stiftung
Landschaftsschutz Schweiz.
Der Aktionsplan Birspark Landschaft entsteht auf der Basis des Freiraumkonzepts von 2009. Er definiert Massnahmen zu Erholung und Natur.
Teilnahme am Landschafts-
und Stadtentwicklungsprojekt IBA
Basel. Erste Umsetzung von
Massnahmen aus dem Aktionsplan
und Labelisierung IBA 2020.
Die Birspark Landschaft ist als Schweizer Projekt nominiert für den europäischen Landschaftspreis.
Zwischen Pfeffingen und Birsfelden entsteht als erste Massnahme der Birsuferweg. Aesch, Arlesheim, Dornach, Münchenstein, Muttenz und Reinach bilden danach die Arbeitsgruppe Birspark Landschaft.
Gründung des Vereins Birsstadt.
Gemeinde Reinach erhält den Binding Anerkennungspreis für Biodiversität für den Natur und Erlebnisweiher. Die Gemeinden des Vereins Birsstadt erhalten den Wakkerpreis.
Aurelia Wirth ist Abteilungsleiterin Umwelt bei der Gemeinde Muttenz. Sie spricht im Interview über die Entwicklung des Erfolgsprojekts Birspark Landschaft und den Spagat zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen an einen Raum unter erheblichem Nutzungsdruck.
Wie stark ist die Natur durch die Siedlungsentwicklung unter Druck?
Aurelia Wirth: Die Birs ist das grüne Rückgrat dieser Gegend mit wertvollen und vielfältigen Naturräumen. Darüber liegen auf den Niederterrassen die Dorfkerne. Früher erstreckten sich unten in der Ebene die Gewerbegebiete bis an die Birs heran. Heute gibt es auch dort Wohnüberbauungen. Sobald man Aufwertungen realisiert und Möglichkeiten für die Naherholung schafft, kommen Menschen, um diese Orte zu erleben. Das kann zu einer vermehrten Belastung dieser Naturräume führen.
«Die Birs ist das grüne Rückgrat dieser Gegend, mit wertvollen und vielfältigen Naturräumen.»
Wie gehen Sie mit diesem Dilemma um?
Hier gilt es eine Balance zu finden zwischen der Erholungsnutzung und dem Schutz der Naturräume. Durch eine gezielte Lenkung der Besuchenden versuchen wir, diese Räume, wo möglich, sogar zu trennen. Früher war die Birs kanalisiert und komplett verbaut. In den letzten Jahrzehnten wurde sie aufgewertet und damit oft zugänglich gemacht, dadurch gehen die Leute auch baden – zumal dies heute die Wasserqualität wieder erlaubt. Hier braucht es dann eine Lenkung der Besuchenden, zum Beispiel im Naturschutzgebiet der Reinacher Heide. Dort sind Rangerinnen und Ranger im Einsatz, die sensibilisieren. Ein anderes Beispiel ist der Natur- und Erlebnisweiher in Reinach. Totholzhecken trennen dort Bereiche für die Natur und für die Erholung voneinander ab.
Welche Massnahmen waren bislang am sichtbarsten für die Bevölkerung?
Das ist der Vorteil, wenn man sich mit der Landschaft befasst: Während in der Raumplanung die Leistungen nicht immer sofort erkennbar sind, sieht man bei Eingriffen in der Landschaft sofort eine Veränderung. Räume wie der Natur- und Erlebnisweiher in Reinach sind tolle Erfolge und werden von den Menschen genutzt. Aus unserer Sicht entfalten solche Projekte eine grosse und nachhaltige Wirkung, weil sie den Zugang der Bevölkerung zur Natur und zur Landschaft erleichtern. Auch die «Birsputzete» ist breit abgestützt und die Bevölkerung hilft engagiert, ihren Birsraum sauber zu halten.
Teile des Beitrags sind entnommen aus der Broschürensammlung «10 gute Beispiele - Biodiversität und Landschaftsqualität in Agglomerationen fördern»
