Das Wichtigste in Kürze

Eichhörnchen können helfen, die ökologische Qualität von Städten zu beurteilen. 

Alte, vielfältige Baumbestände sind entscheidend für Eichhörnchen und viele andere Tierarten. 

Forschende haben für 20 Schweizer Städte digitale Karten zu Lebensräumen und Vernetzung erstellt. Die Modelle zeigen wichtige Verbindungskorridore und Hindernisse wie Strassen oder Bahnlinien. 

Die Ergebnisse unterstützen Städte und Gemeinden bei der Planung naturnaher Siedlungsräume.

Warum sind Eichhörnchen wichtig für die Stadtplanung?

Eichhörnchen können dabei helfen, die ökologische Qualität von Städten zu beurteilen. Zu diesem Schluss kommt der Forschungsbericht «Eichhörnchen als Leitart für die urbane Landschaftsqualität». Eine Leitart ist eine Tier- oder Pflanzenart, deren Vorkommen Rückschlüsse auf die Qualität eines Lebensraums zulässt. Sie dient als Orientierung für Naturschutz und Planung. 

Eichhörnchen benötigen gut vernetzte Baumbestände, ausreichend Nahrung und sichere Bewegungsräume. Eichhörnchen sind ein Hinweis dafür, wie naturnah und vernetzt ein Lebensraum ist.

Zwei Eichhörnchen sitzt in einem Geäst.
Eichhörnchen sind tagaktiv und Einzelgänger. Sie sind ausser während der Paarungs- und der Jungenzeit (Bild) allein unterwegs. ©Annegret Schnider/wildenachbarn.ch

Was zeigt der neue Forschungsbericht?

Der Bericht untersucht, ob sich das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) als Indikator für die ökologische Qualität städtischer Räume eignet. 

Ein zentrales Ergebnis sind digitale Vernetzungsmodelle für 20 Schweizer Städte. Die Karten zeigen: 

  • geeignete Lebensräume für Eichhörnchen, 

  • wichtige Verbindungskorridore, 

  • schwer passierbare Bereiche, 

  • Barrieren wie Autobahnen, Bahnlinien oder Gewässer. 

Die Modelle machen sichtbar, wie gut Lebensräume innerhalb einer Stadt miteinander verbunden sind.

Die Karte zeigt Zürich aus der Luft. Zu sehen ist, wie das Gleisfeld und die Autobahn eine Vernetzung der Lebensräume verunmöglicht.
Die Vernetzungsmodelle zeigen geeignete Lebensräume, Verbindungskorridore und Barrieren für Wildtiere innerhalb von Städten. Zu sehen ist ein Ausschnitt der Stadt Zürich: Das Gleisfeld sowie der Beginn der oberirdischen Autobahn (roter Kasten) und die Limmat sind als Barrieren gut erkennbar. Gelbe Punkte: Ausgangspunkte; orange Punkte: Zielpunkte; orange Gebiete: geeignete Eichhörnchen-Lebensräume; gelbe Linien: Vernetzungskorridore; schwarze Flächen: Wälder. ©SWILD

Wie können Städte die Ergebnisse nutzen? 

Die digitalen Karten unterstützen Verwaltungen, Planungsbüros und Gemeinden dabei, ökologische Aspekte stärker in Planungsprozesse einzubeziehen. 

Mögliche Anwendungen sind: 

  • Arealentwicklungen, 

  • Aufwertungsprojekte im öffentlichen Raum, 

  • Richt- und Nutzungsplanungen, 

  • kommunale Biodiversitätsstrategien, 

  • Vernetzungsprojekte für Wildtiere. 

Die Modelle helfen dabei, bestehende Verbindungen zu erhalten und neue Vernetzungskorridore gezielt zu schaffen.

Eine Frau misst den Umfang eines Baumstammes.
Baumkartierung auf Untersuchungsflächen im Siedlungsraum. ©wildenachbarn.ch

Welche Lebensräume bevorzugen Eichhörnchen? 

Die Analysen zeigen deutlich: Eichhörnchen kommen besonders häufig dort vor, wo vielfältige und ältere Baumbestände mit grossen Baumkronen vorhanden sind. 

Diese Strukturen bieten: 

  • Nahrung während des ganzen Jahres, 

  • Schutz vor Feinden, 

  • Nistmöglichkeiten, 

  • sichere Fortbewegung über die Baumkronen. 

Stark versiegelte Flächen oder grössere offene Bereiche erschweren dagegen die Bewegung der Tiere und können Lebensräume voneinander trennen.

Warum sind Eichhörnchen wichtig? 

Die Forschenden konnten zeigen, dass das Vorkommen von Eichhörnchen eng mit der Artenvielfalt anderer in Bäumen lebenden Tieren zusammenhängt. 

Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Vogelarten: Dort, wo Eichhörnchen vorkommen, wurden mehr Vogelarten nachgewiesen. 

Das macht Eichhörnchen zu einer geeigneten Leitart für die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum. 

Ein Buntspecht fliegt davon.
Wo Eichhörnchen vorkommen, leben auch viele verschiedene Vogelarten, die auf grosse, alte Bäume angewiesen sind, wie zum Beispiel der Buntspecht. ©Hans Aeschlimann/wildenachbarn.ch

Was sind die nächsten Schritte? 

Die Forschenden sehen weiteres Potenzial für vertiefte Analysen auf Ebene einzelner Städte. 

Künftig könnten die Modelle genutzt werden, um: 

  • bestehende Vernetzungskorridore zu verbessern, 

  • lokale Planungen zu überprüfen, 

  • Massnahmen für die Biodiversität zu priorisieren, 

  • vergleichbare Modelle für andere Tiergruppen zu entwickeln.