Das Wichtigste in Kürze




Das Tier

Eichhörnchen sind eine gute Messgrösse für die ökologische Qualität und Vernetzung städtischer Lebensräume. Das zeigt ein neuer Forschungsbericht. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist eine digitale Planungsgrundlage. Sie illustriert für 20 Städte, wo geeignete Lebensräume, wichtige Verbindungskorridore und Barrieren liegen.
Eichhörnchen können helfen, die ökologische Qualität von Städten zu beurteilen.
Alte, vielfältige Baumbestände sind entscheidend für Eichhörnchen und viele andere Tierarten.
Forschende haben für 20 Schweizer Städte digitale Karten zu Lebensräumen und Vernetzung erstellt. Die Modelle zeigen wichtige Verbindungskorridore und Hindernisse wie Strassen oder Bahnlinien.
Die Ergebnisse unterstützen Städte und Gemeinden bei der Planung naturnaher Siedlungsräume.
Eichhörnchen können dabei helfen, die ökologische Qualität von Städten zu beurteilen. Zu diesem Schluss kommt der Forschungsbericht «Eichhörnchen als Leitart für die urbane Landschaftsqualität». Eine Leitart ist eine Tier- oder Pflanzenart, deren Vorkommen Rückschlüsse auf die Qualität eines Lebensraums zulässt. Sie dient als Orientierung für Naturschutz und Planung.
Eichhörnchen benötigen gut vernetzte Baumbestände, ausreichend Nahrung und sichere Bewegungsräume. Eichhörnchen sind ein Hinweis dafür, wie naturnah und vernetzt ein Lebensraum ist.

Der Bericht untersucht, ob sich das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) als Indikator für die ökologische Qualität städtischer Räume eignet.
Ein zentrales Ergebnis sind digitale Vernetzungsmodelle für 20 Schweizer Städte. Die Karten zeigen:
geeignete Lebensräume für Eichhörnchen,
wichtige Verbindungskorridore,
schwer passierbare Bereiche,
Barrieren wie Autobahnen, Bahnlinien oder Gewässer.
Die Modelle machen sichtbar, wie gut Lebensräume innerhalb einer Stadt miteinander verbunden sind.

Die digitalen Karten unterstützen Verwaltungen, Planungsbüros und Gemeinden dabei, ökologische Aspekte stärker in Planungsprozesse einzubeziehen.
Mögliche Anwendungen sind:
Arealentwicklungen,
Aufwertungsprojekte im öffentlichen Raum,
Richt- und Nutzungsplanungen,
kommunale Biodiversitätsstrategien,
Vernetzungsprojekte für Wildtiere.
Die Modelle helfen dabei, bestehende Verbindungen zu erhalten und neue Vernetzungskorridore gezielt zu schaffen.

Die Analysen zeigen deutlich: Eichhörnchen kommen besonders häufig dort vor, wo vielfältige und ältere Baumbestände mit grossen Baumkronen vorhanden sind.
Diese Strukturen bieten:
Nahrung während des ganzen Jahres,
Schutz vor Feinden,
Nistmöglichkeiten,
sichere Fortbewegung über die Baumkronen.
Stark versiegelte Flächen oder grössere offene Bereiche erschweren dagegen die Bewegung der Tiere und können Lebensräume voneinander trennen.
Grundlage waren Citizen-Science-Projekte in Luzern, St. Gallen und Zürich.
Auf den Plattformen wildenachbarn.ch und stadtwildtiere.ch melden Menschen regelmässig Beobachtungen von Eichhörnchen. Freiwillige kartierten zusätzlich Bäume auf Flächen mit und ohne Eichhörnchen-Vorkommen.
Dadurch konnten Forschende untersuchen, welche Eigenschaften von Stadtbäumen und Grünräumen für Eichhörnchen besonders wichtig sind.
Die Forschenden konnten zeigen, dass das Vorkommen von Eichhörnchen eng mit der Artenvielfalt anderer in Bäumen lebenden Tieren zusammenhängt.
Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Vogelarten: Dort, wo Eichhörnchen vorkommen, wurden mehr Vogelarten nachgewiesen.
Das macht Eichhörnchen zu einer geeigneten Leitart für die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum.

Die Forschenden sehen weiteres Potenzial für vertiefte Analysen auf Ebene einzelner Städte.
Künftig könnten die Modelle genutzt werden, um:
bestehende Vernetzungskorridore zu verbessern,
lokale Planungen zu überprüfen,
Massnahmen für die Biodiversität zu priorisieren,
vergleichbare Modelle für andere Tiergruppen zu entwickeln.
Forschungsbericht