Neue nach Norm erstellte Gebäude verhalten sich unter Erdbebeneinwirkungen robuster. Oberstes Ziel ist es, keine Menschenleben zu gefährden. Im Vordergrund steht entsprechend, den Einsturz eines Gebäudes zu vermeiden. Kleinere Schäden sind dennoch zu erwarten. Sie sind jedoch meistens reparierbar.
Bestehende Bauten haben meist eine unbekannte und oft eine ungenügende Erdbebensicherheit. Viele Gebäude wurden nämlich gebaut, als es noch keine konkreten Regeln für erdbebengerechtes Bauen gab. Die ersten praxistauglichen Normen wurden 1989 eingeführt, wurden aber kaum berücksichtigt. Seit 2003 gelten neue Normen mit Vorschriften, wie Gebäude erdbebensicher gebaut und bestehende Gebäude verbessert werden müssen.
Normen sind verpflichtend
Diese Vorschriften sind nach den geltenden kantonalen Baugesetzen verpflichtend anzuwenden. Wichtig ist eine Bauweise, die horizontalen Erschütterungen eines Erdbebens standhält. Dazu gehören neben einem guten Aussteifungskonzept und zweckmässigen Berechnungsmethoden auch die Sicherung der Gebäudehülle und der Gebäudeeinrichtungen. Zudem muss der Untergrund und die Bedeutung des Gebäudes berücksichtigt werden.
In Krisensituation essenziell
Sind bei bestehenden Gebäuden Massnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit erforderlich, müssen sie spätestens im Rahmen einer Instandsetzung oder eines Umbaus umgesetzt werden. Für Gebäude, die im Fall eines Bebens eine lebenswichtige Funktion haben, gelten die höchsten Anforderungen, wie etwa für Spitäler oder Feuerwehrkasernen. Erdbebensichere Infrastrukturen sind in einer Krisensituation essenziell: In Spitälern müssen Verletzte versorgt werden, Feuerwehren müssen Rettungseinsätze leisten, öffentliche Gebäude werden zur Notunterkunft und in Regierungsgebäuden müssen Notfallpläne entschieden und Hilfskredite gesprochen werden.
Auszeichnung für Erdbebensicherheit
Die Stiftung Baudyn verleiht alle drei Jahre für erdbebensicheres Bauen und Erhalten den SEISMIC AWARD. Der Preis 2024 ging an ein bestehendes Gebäude: die SBB-Rotonde in Brig, ein denkmalgeschützter Rundbau, in dem die SBB Lokomotiven deponiert und wartet. Im interdisziplinären Dialog mit der Denkmalpflege wurden die erforderlichen Aussteifungen zurückhaltend, aber durchaus erkennbar in das Gebäude im Rahmen einer Gesamtinstandsetzung integriert.
2021 wurde ein Neubau ausgezeichnet: Die Schule Les Vergers in Meyrin. Bei diesen Schulgebäuden und der Sporthalle sorgen das Gesamtkonzept und die symmetrische Bauweise mit einem Tragwerk aus Holz und Stahl für die Erdbebensicherheit.
