Praktische Infos

Die Wanderung startet am Bahnhof Altmatt oder Rothenthurm für die kürzere Variante. Der Weg führt via Chatzenstrick, Ruchegg und Rothenthurm zurück nach Altmatt. Die beste Zeit ist Herbst für Farbenpracht, Frühling für Blüten.

  • Schwierigkeit

    Mittel

  • Dauer

    5 Stunden

  • Länge

    16,2 km

  • Höhenunterschied

    600 m

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Das Hochmoor Rothenthurm ist das bekannteste Moorgebiet der Schweiz. 1987 wurde es nach einer Volksabstimmung als erstes national geschützt – ausgelöst durch den Widerstand der Bevölkerung gegen einen geplanten Waffenplatz. Seither ist es Symbol für den Wert der Moore: Sie speichern Wasser und Kohlenstoff, dämpfen Überschwemmungen und sind Rückzugsräume für seltene Pflanzen und Tiere. Das grösste zusammenhängende Hochmoor der Schweiz erfreut das Auge zu jeder Jahreszeit mit anderen Farben.

Mehr Kohlenstoff gespeichert als in Wäldern: Moore sind einerseits Lebensraum für zahlreiche selten gewordene Pflanzen und Tiere. Ihr Erhalt ist aber auch wichtig für den Klimaschutz. Obwohl Moore weltweit nur gerade drei Prozent der Landmasse ausmachen, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt zusammen. Trocknen Moorböden aus, wird der darin gebundene Kohlenstoff freigesetzt – und in Verbindung mit Sauerstoff entstehen dabei grosse Mengen an CO2. ©Stefan Zürrer

Wir starten beim Bahnhof Altmatt (SZ), mitten im Hochmoor Rothenthurm, und wählen den Weg bei Nieselregen hoch Richtung Chatzenstrick. Dort erhalten wir einen ersten herrlichen Rundblick über die farbige Moorlandschaft im Westen. Trotz des grauen Himmels und der mystischen Nebelschwaden leuchten die feuchten Wiesen in sattem Grün, Gelb, Rot und Braun. Auch die Flussschlingen der stark mäandernden Biber sind gut sichtbar. Auf dem Weg zur Hundwileren sehen wir im Osten das imposante Kloster Einsiedeln. Im Wald schiessen die Pilze aus dem Boden: Schopftintlinge und Fliegenpilze dominieren. Plötzlich öffnen sich Fenster in die Weite: bei der Ruchegg klart es auf und gibt den Blick auf Mythen und Hoch Ybrig sowie die frisch verschneiten dahinterliegenden Alpen frei.

Durch die weite Ebene  

Von der Ruchegg führt der Weg hinunter nach Rothenthurm, wo sich ein Zwischenstopp für eine warme Suppe oder Kaffee und Kuchen anbietet. Hier beginnt der eindrücklichste Teil der Wanderung: der Gang mitten durchs Moor zurück nach Altmatt. Das Hochmoor erkennt man an den kleinen Erhöhungen und den Wassergräben dazwischen – Bulten und Schlenken genannt. Holzstege führen über die Feuchtflächen.

Spuren der Torfwirtschaft: Bis in die 1940er Jahre wurde hier Torf für Brennstoff gestochen – «Turpnä» im lokalen Dialekt. Es war damals ein blühender Wirtschaftszweig. Die markanten Torfstichkanten und über das ganze Moor verstreuten Hütten zeugen noch heute davon. Gleichzeitig wurde damals ein Grabensystem durch die Landschaft gezogen, um das Moor zu entwässern. Im Rahmen eines Regenerationsprojekts werden nun alte Entwässerungsgräben gesperrt und Holzpalisaden in den Boden gerammt, unterirdische Wassersperren. Sie ermöglichen es dem Moor, wieder zu wachsen. ©Stefan Zürrer

Im Schutzgebiet begegnen wir Freiwilligen der Vogelwarte Sempach. Mit feinen Japannetzen fangen sie Meisen, Zilpzalpe, Braunkehlchen, Wiesen- und Baumpieper behutsam ein. Die Tiere werden gewogen, vermessen und erhalten einen kleinen Ring am Bein, bevor sie wieder in die Luft entlassen werden. So lassen sich ihre Flugrouten in ganz Europa nachvollziehen. Ein stiller Einblick in die verborgene Welt der Zugvögel.

Das Moor wächst ein Millimeter pro Jahr  

Der nährstoffarme Boden beherbergt nur wenige Grasarten, hochspezialisierte und widerstandsfähige wie Seggen oder Pfeifengras. Das bekannte Torfmoos speichert grosse Mengen Wasser. Oben wächst es immer weiter. Unten stirbt es ab, ohne im sauerstoffarmen Boden ganz zu verrotten. Dadurch wächst ein Hochmoor jährlich ungefähr einen Millimeter.  

Der Abstecher nach Bibersteg lohnt sich: Die weiten Feuchtwiesen zeigen die ganze Dimension des Moores. Je nach Jahreszeit blühen hier Wollgräser oder Orchideen. Sogar der fleischfressende rundblättrige Sonnentau ist zu finden.