«Von der Oberfläche aus sieht man nicht tiefer als ein bis zwei Meter und realisiert nicht, wie gross das Ausmass der Verschmutzung ist. Als ich vor 17 Jahren erstmals in den Schweizer Flüssen und Seen tauchte, staunte ich nicht schlecht, wie viel Abfall hier unten herumliegt. Mit Freunden holten wir bei jedem Tauchgang mindestens ein Abfallstück aus dem Wasser und warfen es in den Müll.

Als Andi Fäh vor 17 Jahren zum ersten Mal tauchte, ahnte er nicht, wie viel Abfall auf dem Grund von Seen und Flüssen liegt. ©Abfalltaucher Schweiz
Als Andi Fäh vor 17 Jahren zum ersten Mal tauchte, ahnte er nicht, wie viel Abfall auf dem Grund von Seen und Flüssen liegt. ©Abfalltaucher Schweiz
Reifen sind ein häufiges Fundgut. Sie beeinträchtigen nicht nur die Wasserqualität, sondern schaden auch den dort lebenden Tieren und Pflanzen. ©Abfalltaucher Schweiz
Reifen sind ein häufiges Fundgut. Sie beeinträchtigen nicht nur die Wasserqualität, sondern schaden auch den dort lebenden Tieren und Pflanzen. ©Abfalltaucher Schweiz

In Stadtnähe findet man meist Hausmüll wie Chipsbeutel, Bierflaschen und Take-away-Verpackungen. Aber auch ungewöhnliche Gegenstände werden zutage befördert, darunter Safes, Waffen, Scooter und Velos. Nahe von Bootshäfen sind oft auch Autoreifen versunken, die an Schiffen und Holzstegen als Dämpfer gedient hatten. Diese Abfälle beeinträchtigen die Wasserqualität, schaden aber auch den dort lebenden Tieren und Pflanzen.

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Tonnen

Abfall sammelt der Verein Abfalltaucher jährlich.

Zuerst habe ich den Verein Abfalltaucher bei Reinigungsaktionen (Cleanups) unterstützt. Vor fünf Jahren wurde ich dann Mitglied und seit drei Jahren bin ich Vizepräsident. Mich betrübt der ganze Müll, den wir bei unseren Aktionen finden, ich bin aber auch stolz, dass ich bei der Räumung dieser Abfälle helfen kann. Teamwork ist der Schlüssel zum Erfolg, denn alleine kann man nur wenig bewirken. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man bei einem Einsatz gemeinsam mit sechzig Menschen drei Tonnen Abfall aus dem Wasser geholt hat.

Oft wird nach einem Einsatz die Gemeinde aktiv, stellt neue Abfalleimer bereit und leistet Präventionsarbeit. Und wenn wir ein, zwei Jahre später wiederkommen, stellen wir fest, dass sich die Lage deutlich verbessert hat. Die Seeufer, wo die Menschen gerne baden und spazieren gehen, sind jetzt viel sauberer. Es ist auch sehr erfüllend, wenn wir sehen, dass unsere Arbeit Früchte trägt, kein Abfall mehr herumliegt und auch nicht so schnell wieder neuer Müll auftaucht.

Alle Putzaktionen sind ehrenamtlich, erfordern aber viel Organisation. Oft nehmen bis zu 60 Personen teil. ©Abfalltaucher Schweiz
Alle Putzaktionen sind ehrenamtlich, erfordern aber viel Organisation. Oft nehmen bis zu 60 Personen teil. ©Abfalltaucher Schweiz
Letztes Jahr hat der Verein etwa zehn Reinigungsaktionen durchgeführt und insgesamt 30 Tonnen Abfall geborgen. ©Abfalltaucher Schweiz
Letztes Jahr hat der Verein etwa zehn Reinigungsaktionen durchgeführt und insgesamt 30 Tonnen Abfall geborgen. ©Abfalltaucher Schweiz

Ich freue mich, wenn Passantinnen und Passanten innehalten und sagen: «Wow, danke, dass ihr das tut.» Das bestätigt mir, dass sich der Zeitaufwand meiner freiwilligen Arbeit lohnt. Die Kosten der Cleanups decken wir aus den Mitgliederbeiträgen und dem Sponsoring. Die Reinigungsaktionen kosten zwischen 3000 und 5000 Franken und erfordern viel mehr Vorbereitung als das Freizeittauchen. Von den Einsatzleitenden über die Tauchenden bis zu den Helferinnen und Helfern an Land beteiligen sich insgesamt jeweils bis zu 60 Ehrenamtliche. So müssen unter anderem die Bewilligung der Gemeinde eingeholt, Parkplätze und ein gut erreichbares WC gefunden sowie das Mittagessen organisiert werden. Letztes Jahr haben wir etwa zehn grosse Cleanups durchgeführt.

Wie Sie teilnehmen können

Die Reinigungsaktionen des Vereins Abfalltaucher sind öffentlich und die Mitgliedschaft steht allen offen. Ehrenamtliche ohne Tauchbrevet können an Land helfen: Sie organisieren den Einsatz, reinigen das Ufer, nehmen den geborgenen Müll entgegen und wachen über das Wohlbefinden der Tauchenden, indem sie deren Luftblasen an der Wasseroberfläche im Auge behalten. Erfahrene Taucherinnen und Taucher können sich bei den Cleanups unter Wasser nützlich machen. Für alle Freiwilligeneinsätze reicht die vorgängige Anmeldung über die Website abfalltaucher.ch.

Die meisten Aktionen finden an viel besuchten Orten statt, etwa rund um das KKL in Luzern oder am Ufer des Zürichsees, wo wir regelmässig aufräumen. Manchmal werden wir auf Orte aufmerksam gemacht, die eine Reinigung benötigen. In solchen Fällen rekognoszieren wir den Gewässergrund zuerst in einem Tauchgang, um den Aufwand abzuschätzen. Neben den grossen, geplanten Taucheinsätzen bieten wir auch punktuelle Hilfe an. So kann uns beispielsweise eine Bootsbesitzerin kontaktieren, wenn sie ihren Aussenbordmotor verloren hat.

In Stadtnähe wird meist Hausmüll gefunden, zum Beispiel Bierflaschen und Verpackungen. Es kommen aber auch überraschendere Objekte wie Safes und Waffen zum Vorschein. ©Abfalltaucher Schweiz
In Stadtnähe wird meist Hausmüll gefunden, zum Beispiel Bierflaschen und Verpackungen. Es kommen aber auch überraschendere Objekte wie Safes und Waffen zum Vorschein. ©Abfalltaucher Schweiz
Oft ergreifen die Gemeinden nach einem Abfalltaucher-Einsatz Massnahmen, um zu verhindern, dass weiterhin Abfall ins Wasser gelangt. Zusätzliche Mülleimer und Präventionsarbeit haben dazu beigetragen, die Menge an Abfällen im Wasser deutlich zu reduzieren. ©Abfalltaucher Schweiz
Oft ergreifen die Gemeinden nach einem Abfalltaucher-Einsatz Massnahmen, um zu verhindern, dass weiterhin Abfall ins Wasser gelangt. Zusätzliche Mülleimer und Präventionsarbeit haben dazu beigetragen, die Menge an Abfällen im Wasser deutlich zu reduzieren. ©Abfalltaucher Schweiz

Wir möchten den Verein Abfalltaucher landesweit weiter ausbauen, gerade auch in der Romandie. Dazu brauchen wir neue ehrenamtliche Taucherinnen und Taucher, aber auch Helferinnen und Helfer an Land (siehe Infobox).

Anfang Juni habe ich vor 204 Primarschülerinnen und Primarschülern in Ennetmoos (NW) das Litteringproblem in der Schweiz thematisiert. Ziel war es, sie zu sensibilisieren, damit sie künftig noch besser darauf achten, keinen Abfall liegenzulassen, und sie zu ermutigen, herumliegende Gegenstände einzusammeln und in den Mülleimer zu werfen. Wir verfolgen keine politischen Ziele, laden aber alle ein, sich uns anzuschliessen, wenn sie Zeit haben und etwas bewirken wollen.»

Der 41-jährige Abfalltaucher Andi Fäh lebt im Kanton Nidwalden. 2009 tauchte er erstmals mit Freunden in Schweizer Seen und Flüssen und ist seit damals begeisterter Taucher. Etwa zehn Jahre später wurde er Tauchlehrer und gründete seine eigene Schule. Gleichzeitig nahm er eine Arbeit als Ausbildner bei der Schweizer Armee an. Das Littering in den Schweizer Gewässern machte ihm Sorgen, weshalb er sich ehrenamtlich an den Cleanups der Abfalltaucher beteiligte. 2021 wurde er Mitglied des Vereins und 2023 Vizepräsident.

Die Äusserungen von Andi Fäh wurden von Blandine Guignard zusammengetragen und aufbereitet.