Daniel Bonomi hat jahrelang beim BAFU in der für die Störfallvorsorge zuständigen Abteilung für Gefahrenprävention gearbeitet. Er war an der Ausarbeitung der 1991 in Kraft getretenen Störfallverordnung beteiligt. Er blickt auf die Lehren aus dem Unfall von Schweizerhalle zurück.
Wo waren Sie am 1. November 1986, als es zur Katastrophe von Schweizerhalle kam?
Am Abend vor dem Brand war ich in Zürich, wo ich gemeinsam mit Freunden meinen Studienabschluss als Agronom feierte. Ein paar Freunde aus Basel kehrten noch in der Nacht zurück und fuhren an der brennenden Anlage vorbei, bevor die Autobahn gesperrt wurde. Einige Monate später fing ich beim damaligen Bundesamt für Umweltschutz an zu arbeiten. Unsere Sektion erhielt vom Bundesrat den Auftrag, eine Verordnung auszuarbeiten, mit der solche Unfälle künftig verhindert werden können.
«Das Ziel bleibt immer gleich: die Bevölkerung und die Umwelt zu schützen.»

Daniel Bonomi
Ehemaliger BAFU-Mitarbeiter und Experte in Störfallvorsorge
Was war die wichtigste Änderung, die diese Verordnung mit sich brachte?
Die Entwicklung einer eigentlichen Risikokultur. Erstmals mussten die Unternehmen in Szenarien denken und sich in einer eigenständigen Meldung an die Behörden den schlimmstmöglichen Fall vorstellen. Mit diesem neuen Ansatz werden Gefahren besser erkannt, Risiken nach Möglichkeit bereits vor dem Auftreten minimiert und Massnahmen für allfällige Störfälle vorbereitet.
Welche Fortschritte wurden seit dem Inkrafttreten der Verordnung erzielt?
Eine der ersten Herausforderungen bestand darin, die neue Denkweise zwischen den Kantonen und den verschiedenen für die Umsetzung der Verordnung zuständigen Bundesbehörden abzustimmen. Dazu wurde ein Kontaktgremium geschaffen, um Erfahrungen austauschen und die Methoden zu harmonisieren. Rund 20 Jahre später ergab sich durch die Verdichtung der Siedlungsgebiete in der Nähe von Störfallanlagen eine neue Herausforderung. Die Störfallvorsorge und die Raumplanung mussten besser koordiniert werden. Hierfür werden die Sicherheitsmassnahmen in den Unternehmen und der Schutz der im Umkreis wohnhaften Bevölkerung verstärkt. Die Störfallvorsorge verändert sich kontinuierlich. Sie muss sich z.B. an neue Risiken infolge der Energiewende anpassen, immer mit demselben Ziel: die Bevölkerung und die Umwelt zu schützen.
