Die Luftqualität in der Schweiz hat sich in den letzten 40 Jahren markant verbessert. Die Luftreinhalte-Verordnung (LRV) hat wesentlich dazu beigetragen, Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide oder Feinstaub stark zu reduzieren. Doch auch heute beeinträchtigen Luftschadstoffe die menschliche Gesundheit und die Umwelt erheblich. Was hat die LRV bewirkt? Und wie soll die Luft in Zukunft noch sauberer werden?

Warum wurde die Luftreinhalte-Verordnung eingeführt?

In den 1980er-Jahre war die Luftverschmutzung eines der grössten Umweltprobleme der Schweiz. Das Schlagwort «Waldsterben» prägte die öffentliche Diskussion. Hohe Konzentrationen von Schwefeldioxid, Stickoxiden, Ozon, Blei und saurer Regen belasteten Wälder, Gewässer, Böden, Gebäude und die Gesundheit der Bevölkerung. 1986 trat die Luftreinhalte-Verordnung (LRV) in Kraft. Die LRV galt zum Einführungszeitpunkt auch international als Pionierwerk. Sie setzt das Vorsorgeprinzip um, welches 1983 mit dem Umweltschutzgesetz eingeführt wurde – ein wichtiger Meilenstein im Schweizer Umweltrecht: der Ausstoss von Luftschadstoffen soll so weit begrenzt werden, wie es technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist.

Die Verordnung schreibt Emissionsgrenzwerte für Anlagen vor, legt Anforderungen an Brenn- und Treibstoffe fest und definiert Immissionsgrenzwerte. Werden letztere überschritten, müssen die Behörden noch weitergehende Massnahmen ergreifen. Parallel zur LRV wurden für den Strassenverkehr Abgasgrenzwerte eingeführt. Diese hatten zur Folge, dass sich der Katalysator für Personenwagen in der Schweiz früher etablierte als in anderen europäischen Ländern.

Was hat die Luftreinhalte-Verordnung bewirkt? 

Die Bilanz nach 40 Jahren fällt deutlich positiv aus. Dank technischer Innovationen, wirksamen Vorschriften und konsequentem Vollzug konnten die Luftschadstoffemissionen stark gesenkt werden.

Luftschadstoffemissionen in der Schweiz 1990-2024

Zu den wichtigsten Erfolgen der schweizerischen Luftreinhaltepolitik gehören: 

  • die Einführung schwefelarmer Brenn- und Treibstoffe, 

  • Abgasvorschriften für Fahrzeuge (Einführung des Katalysators bei Personenwagen 1986, Ausrüstung der Diesel-Personenwagen mit Partikelfiltersystemen ab 2006), 

  • Partikelfilter für Dieselmotoren im Industrie- und Baubereich, 

  • Emissionsvorschriften für Industrie- und Heizungsanlagen sowie periodische Kontrollen und Messungen und 

  • wirtschaftliche Instrumente wie die VOC-Lenkungsabgabe oder die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA).

Kehrichtverwertungsanlage in Bern: Die Schadstoff-Emissionen von solchen Anlagen konnten in den letzten 40 Jahren stark gesenkt werden. ©BAFU

Wie werden die Vorschriften umgesetzt und kontrolliert?

Im Zentrum steht die Umsetzung der Vorschriften durch Kantone, Gemeinden, Wirtschaft und Private. Grundlage dafür ist die Luftreinhalte-Verordnung (LRV), die in der ganzen Schweiz gilt. Die Kantone können zusätzlich Vorschriften oder Empfehlungen erlassen. Die Unternehmen setzen die Massnahmen in ihren Anlagen um, während die Behörden regelmässig kontrollieren und Messungen durchführen. Damit die Luftreinhalte-Massnahmen weiterentwickelt und möglichst einheitlich umgesetzt werden, braucht es einen regelmässigen Austausch zwischen den Behörden. Dafür sorgt seit den 1970er-Jahren der Cercl’Air, die Vereinigung der Lufthygiene-Fachleute der Schweiz. Auch der Dialog mit Branchenverbänden und Unternehmen ist wichtig: Er trägt dazu bei, dass die Vorgaben ausgewogen sind und von den Betroffenen mitgetragen werden.

Das Nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) misst in der Schweiz die Luftverschmutzung an 16 Standorten mit unterschiedlicher Belastungssituation. Im Bild oben Dübendorf (ZH) und rechts das Jungfraujoch (BE). ©NABEL

Ist die Luft in der Schweiz heute sauber?

Die Luftqualität hat sich gegenüber den 1980er-Jahren stark verbessert. Viele Schadstoffe, die damals grosse Probleme verursachten, spielen heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Schwefeldioxid etwa ist dank konsequenter Massnahmen kaum mehr ein Problem. Dennoch überschreiten die Konzentrationen einzelner Luftschadstoffe weiterhin die für Gesundheit und Umwelt unbedenklichen Werte. Besonders betroffen sind dicht besiedelte Regionen sowie Gebiete mit hohem Verkehrsaufkommen oder intensiver Landwirtschaft.

Vor allem folgende Stoffe bleiben eine Herausforderung: 

  • Feinstaub (z. B. aus Holzfeuerungen, Verbrennungsmotoren, Industrieanlagen, Brems- und Reifenabrieb des Strassenverkehrs) 

  • Ozon insbesondere während sonniger Sommerperioden 

  • Stickoxide (aus Verbrennungsprozessen). 

  • flüchtige organische Verbindungen (z. B. aus Lösungsmitteln)  

  • Ammoniak aus der Landwirtschaft (Gülle und Mist)

Welche Folgen hat Luftverschmutzung heute noch?

Auch wenn die Luft sauberer geworden ist, beeinträchtigt sie die Gesundheit der Bevölkerung weiterhin. Nach heutigen Schätzungen hat die Feinstaubbelastung in der Schweiz jährlich rund 2000 vorzeitige Todesfälle zur Folge. Hinzu kommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsbeschwerden sowie eine erhöhte Belastung für besonders empfindliche Personen wie Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Auch die Natur leidet weiterhin unter der Luftschadstoffbelastung. Übermässige Stickstoffeinträge verändern empfindliche Ökosysteme und beeinträchtigen die Biodiversität. Ozon schädigt Pflanzen und reduziert Erträge in der Landwirtschaft.

Welche Massnahmen braucht es in Zukunft?

Die Luftreinhaltepolitik entwickelt sich laufend weiter. Heute sind unter anderem folgende Themen in der Luftreinhaltung aktuell: 

  • der Ersatz fossiler Heizungen durch Wärmepumpen und andere emissionsarme Alternativen 

  • moderne Holzfeuerungen mit automatischer Verbrennungssteuerung und Staubabscheidern 

  • Abluftreinigungsanlagen in Industrie und Gewerbe 

  • die Elektrifizierung des Verkehrs, Reduktion des Brems- und Reifenabriebs 

  • emissionsarme Maschinen und Geräte 

  • emissionsarme Gülleausbringung und Stalltechnik, inkl. abgedeckter Güllelager.

Die Abstimmung von Umwelt-, Energie-, Klima-, Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik bietet erhebliches Synergiepotenzial: Viele Massnahmen kommen gleichzeitig der Luftqualität und dem Klimaschutz zugute.

Warum bleibt die Luftreinhaltung eine Daueraufgabe? 

Die Schweiz gehört traditionell zu den Vorreiterinnen in der Luftreinhaltepolitik. Die Luftverschmutzung kennt keine Landesgrenzen und weil viele Schadstoffe über weite Distanzen transportiert werden, bleibt die internationale Zusammenarbeit sehr wichtig. Die LRV wird regelmässig an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen angepasst. Der Bund prüft derzeit eine Anpassung der Immissionsgrenzwerte entsprechend den Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene und orientiert sich dabei an den aktuellen Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Das Wichtigste in Kürze

Vor 40 Jahren war Luftverschmutzung eines der grössten Umweltprobleme der Schweiz. Heute ist die Luft dank der Luftreinhalte-Verordnung deutlich sauberer: Schwefeldioxid, Stickoxide, Feinstaub und weitere Luftschadstoffe konnten massiv reduziert werden. Dennoch verursacht Luftverschmutzung weiterhin erhebliche gesundheitliche und ökologische Schäden. Damit die Schweiz auch künftig saubere Luft atmen kann, gilt es den Stand der Technik zur Emissionsminderung weiterhin umzusetzen sowie einen konsequenten Vollzug in enger Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Wirtschaft und entsprechendes Engagement der Bevölkerung.