Kühlen und sensibilisieren
Im Rahmen der Aktion «Klimaoase» im Kanton Aargau wurden bisher in 28 Gemeinden Bäume an besonders hitzebelasteten öffentlichen Orten gepflanzt. Diese Bäume beschatten und kühlen die Umgebung. Sie sollen aber auch die Gemeinden und die Bevölkerung für die Herausforderung der zunehmenden Hitzebelastung – besonders im dicht bebauten Siedlungsgebiet – sensibilisieren. Ein Grossteil der Bevölkerung des Kantons Aargau lebt in solchen städtischen Räumen. Gemeinden stehen vor der Herausforderung, die Aufenthaltsqualität öffentlicher Freiräume trotz steigender Temperaturen langfristig zu sichern. Die Bäume sollen Hitze und Trockenheit standhalten und so an das für 2060 prognostizierte Klima angepasst sein.

Künstlicher und multifunktionaler See
Der künstlich angelegte Lac des Vernes am Stadtrand von Meyrin (GE) dient vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum, die lokale Bevölkerung schätzt den See als Naherholungsgebiet und Beobachtungsort. Bei Starkregenfällen entlastet das Becken die Kläranlage und reduziert das Risiko von Überschwemmungsschäden. Gleichzeitig trägt die offene Wasserfläche im dicht bebauten Stadtgebiet zur Hitzeminderung bei. Ein integrierter Lernparcours vermittelt Wissen zu Umwelt- und Klimathemen und macht ökologische Zusammenhänge erlebbar.

Lebensqualität in der Schwammstadt
Die Wohnsiedlung Parco Casarico in Sorengo (TI) bei Lugano mit rund 300 Miet- und Eigentumswohnungen zeigt, wie klimaangepasstes Bauen aussehen kann. Das Projekt verbindet Wohnqualität mit Hitzereduktion, Schutz vor Starkniederschlägen und Förderung der Biodiversität. Klimaangepasste Baumarten wurden neu gepflanzt und in bestehende Bestände integriert. Steinhaufen und liegendes Totholz schaffen zusätzliche Lebensräume, Dächer sind begrünt, und das Rückhaltebecken wurde als naturnaher Teich gestaltet. Offene Wasserflächen und dichte Vegetation ermöglichen Verdunstungskühlung und senken die lokale Temperatur. Für diese innovative Kombination aus Siedlungsentwicklung und Biodiversitätsförderung wurde die Siedlung 2022 mit dem Binding Innovationspreis für Biodiversität ausgezeichnet.

Hochwasserschutz und Revitalisierung
Nach den Hochwasserereignissen 2005 und 2007 wurde im Kanton Solothurn das Flussbett der Emme deutlich verbreitert und seine natürliche Dynamik wiederhergestellt. Hintergrund ist die Zunahme von Starkniederschlägen infolge des Klimawandels und das damit verbundene Hochwasserrisiko. Die Aufweitungen auf teilweise 70 Meter sorgen dafür, dass sich Überflutungen kontrolliert innerhalb des Gewässerraums ausbreiten können. Gleichzeitig wurden künstliche Hindernisse wie Rampen und Schwellen zurückgebaut, um die Fischwanderung zu ermöglichen. Bei kleineren Überschwemmungen entstehen neue Stillgewässer, die Amphibien als Lebensraum dienen. Die starken Regenfälle im Juli 2021 zeigten die Wirksamkeit der Massnahmen.

Vielfalt im Weinbau
Der Klimawandel stellt auch den Schweizer Weinbau vor grosse Herausforderungen: Starkregen, Trockenperioden und neue Schädlinge nehmen zu. Das Weingut Lenz in Uesslingen-Buch (TG) begegnet diesen Risiken mit Diversifizierung. Gegen Pilze widerstandsfähige Rebsorten, die Förderung von Nützlingen und ein integriertes Agroforstsystem erhöhen die Resilienz der Rebberge und ermöglichen gleichzeitig eine hohe Weinqualität. Blühstreifen, Altgrasflächen und Lebensräume für Fledermäuse stärken das ökologische Gleichgewicht. Die Wiederansiedlung des Mauswiesels reduzierte Mäuseschäden deutlich. Karin und Roland Lenz wurden mehrfach für ihr Engagement und ihre Weine ausgezeichnet. Ihr Ansatz zeigt, dass Biodiversitätsförderung und wirtschaftlicher Erfolg sich nicht ausschliessen.

Totholz im Schutzwald
Der Wald am Gandberg in Glarus Süd (GL) wurde 1990 nach starken Sturmschäden grossflächig vom Borkenkäfer befallen und danach vollständig der natürlichen Entwicklung überlassen. Forschungsstudien belegen, dass die abgestorbenen Fichten in den Folgejahren Schnee und Steine wirksam zurückhielten und so die Schutzfunktion aufrechterhielten. Heute, rund 30 Jahre später, hat sich eine vielfältige neue Waldgeneration etabliert. Totholz erweist sich dabei als zentraler Lebensraum für Pilze, Moose, Flechten und Insekten. Das Waldreservat Gandberg – im ältesten Jagdbanngebiet Europas gelegen – ist ein bedeutender Rückzugsort für Wildtiere. Da keine Wege angelegt wurden, bleibt das Gebiet der natürlichen Dynamik vorbehalten und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

