Waldbrände in der Schweiz: Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Der Klimawandel ist ein Risikofaktor: Längere Trockenperioden in Kombination mit hohen Temperaturen steigern die Waldbrandgefahr massgeblich. Besonders gefährlich ist trockenes, windiges Wetter, es begünstigt sowohl die Entstehung als auch die Ausbreitung von Bränden. Gleichzeitig werden schneearme und trockene Winter häufiger. Dadurch verlängern sich die Zeiträume, in denen Waldbrände entstehen können.

Oberhalb von Leuk im Kanton Wallis brennt der Wald.
Im Hitzesommer 2003 brannten im Steilhang oberhalb von Leuk (VS) rund 200'000 Bäumen. In einer ersten Phase standen 450 Feuerwehrleute im Einsatz, die Löscharbeiten dauerten drei Wochen. Ursache war Brandstiftung. ©Keystone/Olivier Maire

Was ist die häufigste Brandursache?

In rund 90 Prozent aller Fälle ist der Mensch die Ursache – direkt oder indirekt. Dazu gehören weggeworfene Raucherwaren, nicht vollständig gelöschte Feuerstellen sowie Brandstiftung. Schon ein kleiner Funke kann ausreichen, wenn Vegetation und Waldboden ausgetrocknet sind. Im Sommerhalbjahr können auch Blitzschläge Waldbrände auslösen. Blitzschlag ist die einzige natürliche Ursache in der Schweiz von Waldbränden.

Auf der Schweizerkarte sind die Regionen unterschiedlich eingefärbt - je nach Gefahrenstufe.

Die Gefahrenlage vom 14. Juli 2026: Auf waldbrandgefahr.ch informiert das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zur aktuellen Lage und warnt in Zusammenarbeit mit den Kantonen. Die Kantone sind für das Ergreifen von Massnahmen zuständig.

Was kann ich tun, um Waldbrände zu verhindern?

Die wichtigsten Verhaltensregeln:

  • Feuerverbote strikt einhalten: Bei erhöhter Waldbrandgefahr erlassen die Kantone Feuerverbote im Wald und im Freien.

  • Kein offenes Feuer bei Trockenheit: Wo erlaubt, nur auf festen, dafür vorgesehenen Feuerstellen grillieren – nicht auf dem natürlichen Boden.

  • Keine Raucherware wegwerfen: Weggeworfene Zigarettenstummel gehören zu den häufigsten Brandursachen.

  • Keine heissen Fahrzeuge im Wald abstellen: Heisse Katalysatoren können trockenes Laub entzünden.

  • Informiert bleiben: Die aktuelle Waldbrandgefahrenwarnung des BAFU abrufen, besonders in Trockenperioden. Über die aktuelle Waldbrandgefahr informiert waldbrandgefahr.ch

Waldbrandfläche in der Schweiz 2015–2025

Quellen: BAFU; Swissfire database, WSL

2015

50

ha

2016

463

ha

2017

141

ha

2018

88

ha

2019

31

ha

2020

26

ha

2021

36

ha

2022

331

ha

2023

83

ha

2024

42

ha

2025

8

ha

Waldbrände im Winter

In der Schweiz registriert die Waldbranddatenbank Swissfire der Forschungsanstalt WSL zwischen 2015 und 2022 jährlich durchschnittlich rund 136 Waldbrände, der grösste Teil der Brände sind kleinflächige Ereignisse. Grossflächige Katastrophenbrände kommen selten vor und betreffen überwiegend die Alpensüdseite. Der grösste Teil der Brandfläche (88%) betrifft winterliche Bodenfeuer. Diese Brände entstehen ausserhalb der Vegetationsperiode (zwischen November und April), breiten sich am Boden aus und erfassen vor allem trockenes Laub, Gras und andere organische Bodenbedeckung. Sie können sich grossflächig ausbreiten, da die Vegetation in dieser Zeit ausgetrocknet ist und wenig Feuchtigkeit enthält.

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Waldbrände gibt es in der Schweiz pro Jahr (Durchschnitt 2015-2022)

Welche Schäden richten Waldbrände an?

Die Schäden durch Waldbrände gehen weit über verbrannte Bäume hinaus:

  • Direkte Schäden: Kurzfristiger Verlust von Flora und Fauna, Kosten für Löscharbeiten (im Tessin rund 1 Mio. Franken pro Jahr) und Wiederaufforstung (ca. 40'000 Fr./ha).

  • Schutzfunktion: Besonders gravierend sind Waldbrände, wenn Schutzwälder betroffen sind. Rund die Hälfte des Schweizer Waldes schützt Menschen, Siedlungen und Infrastrukturen vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag und Murgängen. Nach einem Brand fehlen die stabilisierenden Pflanzenwurzeln, der Boden wird erosionsanfälliger.

  • Kohlenstoffspeicherung und Erholung: Auch die Funktion des Waldes als CO₂-Speicher und Erholungsraum wird langfristig beeinträchtigt.

Prävention bleibt entscheidend

Waldbrände lassen sich nicht vollständig verhindern. Die Folgen können jedoch deutlich reduziert werden. Je besser Prävention, Forschung, Forstdienste und Einsatzkräfte zusammenspielen, desto besser lassen sich Menschen, Infrastruktur und Wälder schützen. Wichtig sind:

  • eine frühzeitige Erkennung von Gefahren,

  • verantwortungsvolles Verhalten in Wald und Natur,

  • eine gute Vorbereitung von Feuerwehren und Behörden,

  • eine langfristige Anpassung der Wälder an den Klimawandel.

In einem verbrannten Waldstück liegen Löschschläuche

Im Juli 2023 verbrannten oberhalb von Brig (VS) rund 50'000 Bäume. Experten rechnen damit, dass es mindestens 100 Jahre dauern wird, bis sich der Wald von diesem Brand vollständig erholt hat. ©Keystone/Dominic Steinmann

Wie gut ist die Schweiz vorbereitet?

Die Schweiz investiert seit Jahren in Prävention, Überwachung und Bekämpfung von Waldbränden. Umfassende Waldbrandstrategien finden sich nicht mehr nur in den traditionell von Waldbränden betroffenen Kantonen Tessin, Wallis und Graubünden, sondern zunehmend auch in Kantonen nördlich der Alpen, wie Bern und Solothurn. Die Kantone sind für die Waldbrandbekämpfung sowie für Massnahmen wie Feuerverbote zuständig. Der Bund unterstützt sie mit Gefahreneinschätzungen, Warnungen und Informationsgrundlagen.